DIE VERBOTENE REISE

MELDORFER BEGEGNUNGEN 1, 2014.

In meiner Veranstaltungsreihe “Meldorfer Begegnungen” lade ich Persönlichkeiten aus meinem beruflichen Netzwerk in meine Heimatstadt ein. Menschen aus Medien und Film, aus Politik und Wirtschaft, die etwas Besonderes zu erzählen haben. Etwas, das sie so nur in Meldorf erzählen. Menschen, die auf diese Weise meine kleine Stadt entdecken und, wenn es ihnen hier gefällt, zu Multiplikatoren für unsere liebens- und lebenswerte, aber strukturschwache Region werden.

In der ersten Meldorfer Begegnung las SPIEGEL-Autor Peter Wensierski aus seinem Bestseller “Die Verbotene Reise” – ein dokumentarischer Roman, ein Reisebericht und Politthriller über die außerordentliche Fluchtgeschichte eines jungen Liebespaares aus Ost-Berlin: Marie, 24, und Jens, 23, brechen 1987 vom Prenzlauer Berg zu einem einmaligen Abenteuer auf, gegen alle Regeln und mit ungewissem Ausgang.

Sie fälschen eine Einladung aus der Mongolei und erhalten so Visum und Pass für eine Reise nach Ulan Bator. Nach Stationen in Polen und der Sowjetunion durchstreifen sie die Weiten der Mongolei und gelangen bis nach China. Sie tauchen ein in ursprüngliche Landschaften, leben mit Wildhütern und Nomaden. Sie trampen mit Lkws und kleinen Flugzeugen, kreuz und quer durch die Wüste Gobi und fahren mit Schiffen den Gelben Fluss herunter. Schließlich stehen sie in Peking vor der westdeutschen Botschaft. Und müssen sich entscheiden…

Es ist eine Geschichte über Sehnsucht, Abenteuer und Freiheit, über das einfache Leben, über den Mut, alles hinter sich zu lassen und einen Aufbruch zu wagen – zu anderen Menschen und Landschaften in der Ferne, die eigentlich für sie unerreichbar sein sollten.

„Wenn man nur weit genug nach Osten geht, landet man irgendwann im Westen. Wem die Zeit dafür fehlt, dem sei dieses Buch dringend empfohlen. Es erzählt eine unglaubliche Geschichte, die man ausgerechnet von zwei DDR-Bürgern wohl am wenigsten erwartet hätte“, sagt der aus Dresden stammende Schauspieler Jan Josef Liefers. Es ist ein Generationenportrait, das eindrucksvoll und nachvollziehbar die Atmosphäre am Vorabend einer historischen Wende beschreibt und gleichzeitig das damalige Lebensgefühl junger Ost- und Westdeutscher trifft. 25 Jahre nach dem Mauerfall ist es vielleicht eine der schönsten Geschichten aus jener Zeit, die ein überraschend anderes Bild von jungen Ostdeutschen zeichnet, jenseits bisheriger Klischees.

Peter Wensierski, geboren 1954, begann seine Arbeit als Journalist 1979 mit Berichten und Reportagen aus der DDR. Er war damals der jüngste westliche Reisekorrespondent und schrieb für den SPIEGEL und andere Zeitungen. Als Dokumentarfilmer, Reporter und Buchautor berichtete er über die aufkommende Oppositionsbewegung. Seit 1993 arbeitet er beim SPIEGEL im Deutschlandressort.

Mit einer unvergleichlich souveränen Mischung aus Lesung, Fotoschau aus den 5.000 Fotos von der 12.000 Kilometer langen Reise, eigenen Fernsehbeiträgen aus der DDR-Zeit und freiem Vortrag zog Peter Wensierksi das Publikum im ausverkauften Meldorfer Kino in seinen Bann. Die Bilanz des Autors: “Meine Lesung in Meldorf war die schönste von allen.”