THE TRIBE – MYROSLAV SLABOSHPYTSKIY

MODERATION, FILMFEST HAMBURG, 2014.

Beim Filmfest Hamburg 2014 hatte ich die Freude und Ehre, die deutsche Premiere von The Tribe und den anschließenden Talk mit dem ukrainischen Ausnahme-Regisseur Myroslav Slaboshpytskiy zu moderieren. Ein Name, den wir uns merken müssen. Hier ein Auszug aus der Moderation:

“Myroslav Slaboshpytskiy war 2014 der Überraschungssieger von Cannes, in der Sektion Semaine de la Critique konnte er gleich drei Preise mit nach Hause nehmen. Kein Wunder: Mit seinem Werk kommt eine ganz neue Stimme in die Filmwelt – hohe Ästhetik gepaart mit brutaler Schonungslosigkeit. Das ist überwältigend, das hat man so noch nicht gesehen.

Der Regisseur und sein Film kommen aus der Ukraine, dem Land, gar nicht so weit weg von uns, in dem seit den Maidan-Protesten die Gewalt eskaliert. Das Land, in dem plötzlich das Gespenst eines Krieges umgeht.

In The Tribe geht es nicht um Politik, vordergründig jedenfalls nicht, doch um Gewalt geht es auch hier, in diesem düsteren Drama um eine Jugendgang in einem Gehörlosen-Internat in Kiew. Gewalt also, und deren Gegenteil, Liebe – und Sex. Ein schöner Film, ein harter Film, ein Film, der uns fordert.

Auch für den Regisseur war der Film eine Riesenherausforderung. Denn er hat seinen ersten Langfilm komplett mit gehörlosen Laienschauspielern gedreht, ein unglaubliches Abenteuer muss das gewesen sein. Erleben Sie in den Hauptrollen den Grigory Fesenko als Sergey und Yana Novikova als Anya.

Myroslav Slaboshpytskiy hat neben der Regie auch das Drehbuch geschrieben. Mit seinen eigenwilligen Kurzfilmen machte der Regisseur schon vielfach auf sich aufmerksam, zuletzt 2012 durch eine Auszeichnung mit dem silbernen Leoparden auf dem Festival von Locarno. Mit seinem ersten Langfilm fährt er nun von Festival zu Festival, gerade kommt er aus San Sebastian.

Der Film läuft in Gebärdensprache, und zwar in ukrainischer Gebärdensprache, und dazu ganz ohne Untertitel. Das ist Absicht. Es ist die Idee dieses Films, scheinbare Grenzen zu überwinden. Aber keine Angst, nach und nach werden Sie das Wichtigste verstehen.

Lassen Sie sich ein – auf eine unbekannte Welt, auf einen sehr besonderen Film. Ich verspreche Ihnen: The Tribe werden Sie so schnell nicht vergessen.”